Kitaplätze und Arbeitszeitgesetz: NGG warnt vor Problemen für Familien

8 Stunden sind genug: „Wer vom Chef einen XL-Arbeitstag mit 10 oder sogar 12 Stunden aufgebrummt bekommt, kann sich weder um Kinder noch um Angehörige, die zu Hause auf Pflege warten, kümmern“, sagt Steffen Lübbert von der NGG Lüneburg. Die Gewerkschaft erteilt den Plänen der Bundesregierung, den 8-Stunden-Tag zu kippen, damit eine klare Absage. Foto: NGG | Nils Hillebrand
8 Stunden sind genug: „Wer vom Chef einen XL-Arbeitstag mit 10 oder sogar 12 Stunden aufgebrummt bekommt, kann sich weder um Kinder noch um Angehörige, die zu Hause auf Pflege warten, kümmern“, sagt Steffen Lübbert von der NGG Lüneburg. Die Gewerkschaft erteilt den Plänen der Bundesregierung, den 8-Stunden-Tag zu kippen, damit eine klare Absage. Foto: NGG | Nils Hillebrand

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Seevetal/Landkreis Harburg. Für rund 2.650 Kinder unter drei Jahren gibt es im Landkreis Harburg einen Kitaplatz. Die Betreuungsquote liegt nach Angaben der amtlichen Statistik bei gut 39 Prozent. Der landesweite Bedarf in Niedersachsen beträgt laut einer Studie des Deutschen Jugendinstituts allerdings 53 Prozent. „Das ist zu wenig. Vor allem wenn Eltern arbeiten, müssen sie sich darauf verlassen können, dass ihre Kinder betreut werden”, sagt Steffen Lübbert von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten.

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Erhebliche Probleme sieht die NGG Lüneburg auf Eltern im Kreis Harburg zukommen. Grund sind Pläne der Bundesregierung, das Arbeitszeitgesetz zu ändern und den 8‑Stunden-Tag abzuschaffen. „Wenn das passiert, dann bricht für Eltern jede Planung bei der Kinderbetreuung zusammen”, sagt Lübbert. Denn dann könne ein Arbeitstag auch mal zwei oder sogar dreieinhalb Stunden länger werden. Mit Verlässlichkeit, die Eltern dringend bräuchten, habe das nichts mehr zu tun. 

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Eine verlässliche Betreuung sei gerade für berufstätige Eltern wichtig. „Meistens sind Kita- und Arbeitszeiten schon jetzt auf Kante genäht, also eng miteinander abgestimmt: Wer sein Kind in der Kita hat, der muss es auch pünktlich wieder abholen, bevor die Kita schließt”, sagt der Gewerkschafter. Aber wenn der Chef demnächst aus einem 8‑Stunden-Tag einen Arbeitstag mit zehn oder zwölf Stunden am Stück machen könne, werde es für Familien nahezu unmöglich, ihren Alltag verlässlich zu planen. Am Ende beeinträchtige das sogar die Berufstätigkeit der Eltern.

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Auch Pflege braucht Planbarkeit

Kritisch werde das auch für die Pflege. „Wer sich zu Hause – zum Beispiel in enger Absprache mit Pflegediensten – um Angehörige kümmert, kann alles gebrauchen, aber keinen XL-Arbeitstag”, sagt der Geschäftsführer der NGG Lüneburg. Auch bei der Pflege gelte: „Verlässlichkeit ist das A und O”, so Lübbert. Schon deshalb sei die von der Bundesregierung geplante Aufweichung des 8‑Stunden-Tages Gift für alle, die im Moment alles daransetzten, den Spagat zwischen Job und Familie zu schaffen.

Betroffen seien vor allem Frauen. 51 Prozent von ihnen gaben bei einer bundesweiten Beschäftigtenbefragung des Deutschen Gewerkschaftsbundes an, sich zu Hause um Angehörige zu kümmern, gerade um Kinder oder Ältere. Bei den Männern seien es 41 Prozent. Schon heute hätte gut ein Fünftel aller Beschäftigten häufig Probleme, Familie und Job zeitlich zu vereinbaren. Bei alleinerziehenden Frauen seien dies aktuell sogar 42 Prozent.

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Bis zu 73 Stunden pro Woche

Sollte die Bundesregierung jetzt den 8‑Stunden-Tag abschaffen und bei der Wochenarbeitszeit ein Höchstlimit von 48 und in Ausnahmefällen sogar bis zu 73,5 Stunden setzen, würde sie damit echte Probleme für viele Familien im Kreis Harburg provozieren, warnt Lübbert. Dies gelte im Job und in der Familie.

Dabei suchten nicht nur das Gastgewerbe und das Lebensmittelhandwerk, sondern auch viele Betriebe der Nahrungsmittelindustrie händeringend qualifiziertes Personal. „Den Arbeitskräftemangel in diesen Betrieben lösen wir nicht durch längere Arbeitstage, sondern durch bessere Arbeitsbedingungen und mehr Kitaplätze”, sagt Lübbert.

Längere Arbeitstage seien außerdem eine Gefahr für die Gesundheit. „Nach acht Stunden im Job steigt das Unfallrisiko immer mehr an. Nach zwölf Stunden ist es sogar doppelt so hoch wie bei einem regulären 8‑Stunden-Tag”, sagt Lübbert. Aber auch Schlafstörungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Burnout könnten die Folge von zu langen Arbeitstagen sein. Mehr Informationen gibt es unter www.ngg.net/themen/mit-macht-fuer-die‑8 (dh)

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