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Seevetal. Bis zu zwölf identische Wahlbenachrichtigungen in einem einzigen Briefkasten. Was absurd klingt, wurde für viele Seevetaler Familien zur Realität. Bei der ersten Jugendratswahl der Gemeinde ging so ziemlich alles schief, was schiefgehen konnte. Die Folge: Geschätzt rund 8.000 Euro nur an Portokosten landeten direkt in der Papiertonne.
Eigentlich sollten die Jugendlichen zwischen 14 und 20 Jahren am Montag und Dienstag, 15. und 16. Juni, zum ersten Mal ihre Vertreter für den ersten Seevetaler Jugendrat wählen. Doch die Wahlunterlagen kamen viel zu spät an. Und nicht nur das: Pro Person flatterten die exakt gleichen Dokumente zwei- oder sogar dreifach in die Briefkästen. Familien mit vier Kindern fanden plötzlich bis zu zwölf Wahlbescheinigungen in ihrer Post.
Als die Seevetaler Jugendlichen ihre Unterlagen öffneten, war es bereits zu spät. Der personalisierte QR-Code auf den Dokumenten funktionierte nicht mehr. „Das virtuelle Wahllokal ist geschlossen war die Antwort nach dem Scannen des Codes am Dienstag, 16. Juni”, berichtet der Fleestedter Vater Tim Färber. Die Jugendlichen schauten in die Röhre.
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Die Panne beschränkte sich nicht auf einen Ortsteil. In Fleestedt und Meckelfeld sah es gleichermaßen chaotisch aus. Wutentbrannt meldete sich am heutigen Mittwochvormittag eine Mutter aus Meckelfeld bei seevetal-aktuell.de. „Ich bin einfach nur fassungslos. Da können die Jugendlichen zum ersten Mal wählen und freuen sich darauf, und dann geht einfach alles schief. Geschweige von den Steuergeldern die einfach mal direkt für die Papiertonne waren”, sagt sie. Auch in Fleestedt erhielten nach Information von seevetal-aktuell.de mehrere Jugendliche dreimal das gleiche Schreiben, ebenfalls verspätet.
Gemeinde übernimmt Verantwortung
Die Frage nach der Schuld liegt auf der Hand. Ist der Postdienstleister „Citypost Bremen” verantwortlich oder die Gemeinde Seevetal? „Den Zusteller trifft an dieser Stelle keine Schuld”, sagt Gemeindepressesprecherin Christine Winkel auf Nachfrage. Damit rückt die Gemeindeverwaltung in den Fokus.
Die finanziellen Dimensionen der Panne sind groß. Mehr als 2.800 Briefe sollten ursprünglich an die Jugendlichen versendet werden, heißt es aus dem Rathaus. Doch diese Briefe kamen halt oftmals dreifach in die Briefkästen der Seevetaler Haushalte. Dies entspricht mindestens 8.400 Briefen. Frankiert zu einem Betrag von 0,95 Euro pro Sendung bedeutet dies mindestens 7.980 Euro für nichts.
Was genau schiefgelaufen ist, soll am heutigen Mittwochabend im Gemeinderat in der Burg Seevetal im Bericht der Verwaltung geklärt werden. Dort wird das Rathaus Rede und Antwort stehen müssen.
Neuwahl nach den Sommerferien?
Die Gemeinde Seevetal hat entschieden, die Wahl des Jugendrates nach den Sommerferien zu wiederholen. Der Grund ist offensichtlich: Die verspätete Zustellung der Wahlunterlagen an einige wahlberechtigte Jugendliche. „Wir bedauern diese Situation sehr”, erklärt Markus Heinrich, Leiter der Abteilung Jugend.
„Unser Ziel ist es, allen Jugendlichen in Seevetal eine faire und gleichberechtigte Beteiligung an der Wahl des Jugendrates zu ermöglichen. Da dies unter den gegebenen Umständen nicht mehr sichergestellt war, haben wir uns entschlossen, die Wahl zu wiederholen”, sagt Heinrich.
Mit der Einführung des Jugendrates will die Gemeinde die politische Teilhabe junger Menschen stärken. „Der Jugendrat soll eine starke Stimme für junge Menschen in unserer Gemeinde werden”, sagt Carolina Tietjens aus der Abteilung Jugend. „Gerade deswegen ist es uns wichtig, dass die Wahl unter transparenten und gerechten Bedingungen stattfindet. Dazu gehört, dass jede und jeder Wahlberechtigte die gleiche Chance hat, an der Wahl teilzunehmen”, so Tietjens.
Die Wahl des Jugendrates wird nach den Sommerferien 2026 erneut durchgeführt. Der genaue Termin wird noch bekanntgegeben. Die Seevetaler Jugendlichen müssen sich also noch etwas gedulden, bis sie ihre Stimme abgeben können. (dh)
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