Ministerpräsident Lies zur Neubaustrecke: „Was die Bahn macht, ist sträflich”

Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies beim Besuch in Buchholz, wo er gegenüber Johannes "Jojo" Tapken von seevetal-aktuell.de scharfe Kritik an der Deutschen Bahn übte. Foto: JOTO
Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies beim Besuch in Buchholz, wo er gegenüber Johannes "Jojo" Tapken von seevetal-aktuell.de scharfe Kritik an der Deutschen Bahn übte. Foto: JOTO
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Seevetal. Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) hat die Deutsche Bahn im Exklusiv-Gespräch mit seevetal-aktuell.de frontal angegriffen. Seine Worte zur Bahnstrategie beim Thema Alpha‑E und der möglichen Neubaustrecke zwischen Hamburg und Hannover fielen dabei deutlich aus.

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Lies erinnerte daran, dass das Alpha-E-Konzept kein neues Projekt ist. Es wurde gemeinsam mit der Deutschen Bahn im Dialogforum Schiene Nord erarbeitet und sieht den Ausbau der Bestandsstrecke zwischen Hamburg über Lüneburg, Celle bis nach Hannover vor. 

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Passiert sei seitdem jedoch nichts: „Die Bahn hat leider null Punkte umgesetzt. Null. Zehn Jahre sind einfach verschenkt.” Statt die vereinbarten Maßnahmen anzugehen, forciere die Bahn nun erneut eine teure Neubaustrecke durch die Heide. Lies sagt dazu klar:


Die Bahn ist auf dem völlig falschen Weg.

Olaf Lies

Lies erklärt, die Bahn hätte sich selbst mit der Zeitoptimierung des Deutschlandtaktes ein eigenes Problem geschaffen, was nur eine Neubaustrecke lösen könnte. Sein Urteil: „Was die Bahn macht, ist sträflich: alles auslassen, was heute möglich wäre, um auf etwas zu setzen, was in 40 Jahren kommt.” Er wundere sich darüber, wieso es immer noch Menschen gibt, die das für eine kluge Lösung halten würden.

Stadt Lüneburg für Neubau, Kreis Harburg dagegen

Für Lies ist dabei eine Frage zentral: „Welchem Pendler hilft es denn, wenn wir in 40 Jahren eine Neubaustrecke haben?” Die allermeisten Menschen nutzten den Nahverkehr, nicht den Fernverkehr, betont er. Ob eine Verbindung von Hamburg nach Frankfurt mit dem Neubau etwas schneller werde, sei für ihn nicht entscheidend: „Mir geht es um Niedersachsen. Lasst uns alles machen, was auf der Bestandsstrecke geht”

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Die Region ist in dieser Frage allerdings gespalten. Bei der Anhörung im Verkehrsausschuss des Deutschen Bundestags sprach sich zum Beispiel Lüneburgs Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch (Grüne) ausdrücklich für die Neubaustrecke aus, auch im Namen des Landkreises Lüneburg. 

Winsen (Luhe) für Neubau, Buchholz ignoriert das Thema

Auch im Landkreis Harburg bröckelt die geschlossene politische Front gegen einen Neubau. Der Stadtrat in Winsen (Luhe) bekräftigte vor kurzem einen Neubau der Bahnstrecke zu unterstützen. In anderen Teilen des Kreis Harburg wie in Buchholz ist die Neubaustrecke entlang der A7 dagegen nicht einmal ein Gesprächsthema.

Hamburg für Neubau, Niedersachsen dagegen

Auch der Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Hannover und sechs weitere Bundesländer wie Hamburg sprechen sich für den Neubau aus. Das Land Niedersachsen hingegen bleibt dabei: erst die Bestandsstrecke ertüchtigen, dann über Neues sprechen. 

Seevetals Bürgermeisterin Emily Weede (CDU) und Landrat Rainer Rempe (CDU) stehen fest an der Seite des SPD-Ministerpräsidenten. Weede sagt: „Wir stehen fest zu Alpha‑E und fordern eine schnelle Verbesserung für die Region statt utopischer Planungen auf dem Rücken der Einwohnerinnen und Einwohner.” Rempe bekräftigt: „Die Bahn hat lange genug Zeit verschenkt. Es muss jetzt etwas passieren und nicht erst in Jahrzehnten!” (JOTO/tj)

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