
Seevetal. Mit der Unterzeichnung einer Kooperationsvereinbarung entstehen in Seevetal zusätzliche Schutzplätze für gewaltbetroffene Frauen. Die AWO betreibt die Einrichtung. Besonders wichtig: Erstmals finden auch Frauen mit älteren Söhnen einen Schutzplatz.
„Der Schutz vor Gewalt ist kein Randthema, sondern eine Frage der Menschenwürde und der Grundrechte”, sagt Bürgermeisterin Emily Weede. Die getroffene Vereinbarung mit der AWO sei ihr ein Herzensanliegen. „Dass wir damit nun auch Platz für Frauen mit älteren Söhnen schaffen, hilft dabei, eine bestehende Versorgungslücke zu verringern”, so Weede weiter.
Für Meinhold-Engbers, Geschäftsführung der AWO, ist die Kooperation ein echter Meilenstein. Sie macht sich seit vielen Jahren für mehr Schutzplätze im Landkreis Harburg stark. Die Istanbul-Konvention des Europarats fordert einen Frauenhausplatz pro 10.000 Einwohnerinnen und Einwohnern. Im Landkreis Harburg wären das 26 Plätze. Seit 1989 gibt es jedoch nur acht.
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Dramatische Unterversorgung
Die Gemeinde Seevetal stellt zum Freitag, 1. Mai, zwei gemeindeeigene Räumlichkeiten zur Verfügung und vermietet sie an die AWO. Die Förderung durch das Land Niedersachsen und den Landkreis konnte schnell abgerufen werden, da die unzureichende Versorgung allgemein bekannt ist.
Die Folgen der Unterversorgung sind gravierend. Lara Rieckmann, Leiterin des Frauenhauses Buchholz, organisiert die Hilfe im Landkreis. „Im vergangenen Jahr mussten wir 182 Frauen, die Hilfe benötigt hätten, abweisen”, sagt Rieckmann. Insbesondere Frauen mit Söhnen über zwölf Jahren können im Frauenhaus nicht aufgenommen werden. „Mit der Kooperation haben wir einen ganz neuen Handlungsspielraum”, so die Leiterin.
„In diesem Bereich hat sich in den vergangenen Jahrzehnten nichts getan”, sagt Meinhold-Engbers. Allen sollte bewusst sein, dass es sich bei häuslicher Gewalt nicht um persönliches Unglück, sondern um ein strukturelles Problem handelt. „Wir sind der Gemeinde Seevetal sehr dankbar, dass sich hier nun neue Möglichkeiten auftun”, sagt die AWO-Geschäftsführerin.
Angelika Tumuschat-Bruhn, Ratsvorsitzende in Seevetal und Vorsitzende des AWO Kreisverbands Harburg Land, betont die Bedeutung der Kooperation. „Mit der neuen Kooperation bekommen gewaltbetroffene Frauen eine Möglichkeit, den ersten Schritt in ein neues Leben zu gehen”, sagt Tumuschat-Bruhn. Wenn auch nur eine Frau früher Hilfe bekomme, sich aus einer Gewaltbeziehung befreien könne und einen neuen Anfang schaffe, dann habe sich jeder Einsatz gelohnt. (dh)














