Naturschauspiel im Junkernfeld: Millionen Schachbrettblumen blühen in Seevetal

Die Schachbrettblume ist der Star an der Seeve. Auf den Wiesen im Junkernfeld findet sich das bundesweit größte Vorkommen dieser Blume. Foto: Landkreis Harburg
Die Schachbrettblume ist der Star an der Seeve. Auf den Wiesen im Junkernfeld findet sich das bundesweit größte Vorkommen dieser Blume. Foto: Landkreis Harburg

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Seevetal/Hörsten. Weite Wiesen und Weiden, von Ferne ertönt der Ruf des Brachvogels, das Wasser plätschert. Die Seeveniederung lohnt immer wieder einen Spaziergang. Und jetzt beginnt dort ein besonderes Naturschauspiel: Auf dem Junkernfeld im Naturschutzgebiet „Untere Seeveniederung und Over Plack” zwischen Hörsten und Over blüht der Star an der Seeve. 

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Die stark bedrohte Schachbrettblume fühlt sich im Landkreis Harburg besonders wohl. Die ersten zarten Blüten strecken bereits ihre weißen oder violetten Köpfe in die Sonne. „Besonders am Wegrand sind schon Exemplare zu sehen”, sagt Gitta Baeuerle von der Abteilung Umwelt des Landkreises Harburg. Die Blüte beginne jetzt nach und nach. 

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Auf einer 160 Hektar großen Wiesenfläche im Junkernfeld findet sich das bundesweit größte Vorkommen dieser Charakterblume der Feuchtwiesen. Bis zu 1,3 Millionen Blüten ziehen Naturliebhaber bis voraussichtlich Anfang Mai in ihren Bann. Die Schachbrettblume blüht allerdings nicht in jedem Jahr gleich intensiv. Und wenn es warm wird, ist es mit der Blütenpracht schon nach kurzer Zeit wieder vorbei.

Die Wiesen im Naturschutzgebiet können Spaziergänger von den Parkplätzen bei Hörsten und Over bequem zu Fuß erreichen. Ein rund sechs Kilometer langer Rundweg führt Besucher um das Junkernfeld und bietet einen einzigartigen Blick. „Auf jeden Fall das Fernglas mitnehmen”, rät Baeuerle. Sitzbänke laden zum Verweilen ein und ermöglichen wunderschöne Landschaftseindrücke.

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Refugium für bedrohte Wiesenvögel

Doch nicht nur die Schachbrettblume fühlt sich an der Seeve wohl. Die Wiesen sind auch ein Refugium für vom Aussterben bedrohte Wiesenvögel. Mehrere Paare des Großen Brachvogels haben dort ihre Heimat gefunden, ebenso der Kiebitz, der heute nur noch selten zu sehen ist. Die Schachbrettblume ist ebenso wie die Wiesenvögel sehr empfindlich. Die Untere Naturschutzbehörde der Kreisverwaltung erinnert daher daran, die Rücksichtnahme auf die Natur, auf Tiere und Pflanzen nicht zu vergessen. „Gute Fotos von den Schachbrettblumen lassen sich auch vom und am Weg machen”, heißt es.

Strenge Regeln zum Schutz der Natur

Die Besucher dürfen die Wiesen und Weiden in dem Gebiet zum Schutz der Natur und Tierwelt auf keinen Fall betreten. Auch Hunde müssen unbedingt an die Leine genommen werden. „Die Nester der Wiesenvögel sind im Gras nicht unbedingt zu sehen, können ebenso schnell zertreten werden wie die Schachbrettblume. Und wenn Hunde stöbern und die Kiebitze oder Brachvögel von ihren Nestern verjagen und die Gelege auskühlen, hat der Vogelnachwuchs keine Überlebenschance”, sagt Baeuerle. „Schon ein einziger Mensch in den Wiesen oder ein einziger freilaufender Hund kann jahrelange Naturschutzarbeit zunichte machen.”

Das ist allerdings vielen nicht bewusst. „Wir haben immer wieder Menschen, die sich nicht an die Regeln halten”, sagt Baeuerle. Als Gedankenstütze hat die Abteilung Umwelt daher bereits Hinweisschilder aufgestellt. Aufgrund des erwarteten starken Besucherzustroms sind zudem die Ranger der kreiseigenen Landschaftswacht verstärkt im Einsatz. Sie achten auf die Regeln zum Schutz der seltenen Tier- und Pflanzenwelt, klären die Menschen auf und leiten notfalls auch Ordnungswidrigkeitsverfahren ein.

Die Schachbrettblume gehört zur Familie der Kaiserkronen und erhielt ihren Namen nach der charakteristischen Färbung ihrer violetten und weißen Blüten. Sie ist eine Pflanze der Wiesen und Weiden und wächst hauptsächlich in großen Flussniederungen, vorzugsweise im Urstromtal der Elbe. In Deutschland ist sie stark bedroht. Entlang der Elbe gibt es nur noch wenige Vorkommen.

Die Schachbrettblumenwiesen im Junkernfeld wurden in den 1970er Jahren durch Veröffentlichungen des Botanikers Professor Dr. Ernst Preising der Fachwelt bekannt. Seither entwickelte sich das Junkernfeld zu einer Pilgerstätte für Botaniker und Naturliebhaber. Ein Pflegekonzept mit einer extensiven Nutzung der Wiesen und Weiden sorgt dafür, dass es auch so bleibt. Vollständiger Verzicht auf Dünger und ein später Mahdtermin der Wiesen lassen die Schachbrettblume und die übrigen Wiesenpflanzen gedeihen. (dh)

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