
Seevetal/Landkreis Harburg. Zwei Monate lang bleibt die Lohntüte leer. Erst ab dem 27. Februar werden Frauen für ihre Arbeit auch bezahlt, zumindest rechnerisch. Der Equal Pay Day macht symbolisch auf die Lohnlücke zwischen Frauen und Männern bei gleicher Arbeit aufmerksam. Andrea Schrag, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Harburg, will am Freitag, 27. Februar, in der Winsener Innenstadt für das Thema sensibilisieren. Es ist höchste Zeit für mehr Lohngerechtigkeit, sagt sie.
Das ist auch Grundvoraussetzung für die grundgesetzlich festgeschriebene Gleichstellung, denn ohne wirtschaftliche Unabhängigkeit bleiben Teilhabe und Gleichstellung eine Illusion. Die Lücke zwischen den durchschnittlichen Brutto-Stundenlöhnen von Frauen und Männern beträgt in Deutschland 16 Prozent. Das sind 4,24 Euro oder bei einer 40-Stunden-Woche 169,60 Euro. Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes kommen Frauen auf 22,81 Euro brutto je Stunde, Männer auf 27,05 Euro. Selbst zwischen Frauen und Männern mit gleicher Ausbildung und ähnlicher Position bleibt eine Lohnkluft von sechs Prozent, der sogenannte bereinigte Gender Pay Gap, sagt Schrag. Damit gehören wir im europäischen Vergleich nach wie vor zu den Schlusslichtern.
Versprechen aus dem Jahr 1949
Seit 1949 steht im Grundgesetz: Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Dieser Satz wurde auf Initiative der Mütter des Grundgesetzes in die Verfassung aufgenommen. Doch gleichwertige Arbeit wird bis heute nicht selbstverständlich gleich bezahlt, so Schrag. Frieda Nadig (SPD) und Dr. Helene Weber (CDU) kämpften 1949 parteiübergreifend für gleichen Lohn für gleiche Arbeit, konnten sich jedoch nicht gegen ihre männlichen Parteikollegen durchsetzen.
Das Versprechen von 1949 darf kein historischer Satz bleiben, es muss endlich vollständig umgesetzt werden, sagt Schrag. Lohngleichheit ist keine Forderung, sondern ein verfassungsrechtlicher Anspruch. Strukturelle Unterschiede sind ein Grund für die Lohnlücke. Frauen sind überproportional in den sozialen Bereichen, den sogenannten Care-Berufen, tätig, die schlechter bezahlt werden.
Daher muss es darum gehen, nicht nur den gesellschaftlichen Wert zu erhöhen, sondern auch die Bezahlung dieser Berufe zu stärken, sagt Schrag. Hinzu kommt: Frauen arbeiten seltener in Führungspositionen und häufiger in Teilzeit oder in Minijobs. Ein Grund dafür ist die häusliche Sorgearbeit und die Pflege von Angehörigen, für die überwiegend Frauen zuständig sind. Diese Situation hat Folgen, die das ganze Leben nachwirken. Das ist nicht nur heute ungerecht, sondern wirkt sich später auch im Rentenbezug aus und führt dazu, dass der Frauenanteil bei den von Altersarmut betroffenen Menschen deutlich höher ist, sagt Schrag. (dh)














