Seevetal/Landkreis Harburg. Im Landkreis Harburg gibt es 72.800 Wohnungen, die von ihren Eigentümern selbst genutzt werden. Das geht aus einer Untersuchung des Pestel-Instituts hervor, die im Auftrag des Bundesverbandes Deutscher Baustoff-Fachhandel erstellt wurde. Die Wohneigentumsquote im Kreis liegt damit bei 57 Prozent. 14 Prozent der Eigentümer leben in einer Eigentumswohnung, die übrigen in Einfamilienhäusern.
Bundesweit beträgt die Quote nur 43,5 Prozent. Deutschland ist damit ein Mieter-Land und landet beim Ranking zum Wohneigentum im Europa-Vergleich nur auf dem vorletzten Platz, sagt Matthias Günther vom Pestel-Institut. Die eigenen vier Wände stünden zwar auf der Wunschliste der Menschen ganz oben. Gerade die 25- bis 40-Jährigen könnten sich aber immer seltener ein eigenes Haus oder eine Eigentumswohnung leisten, sagt Günther.
Im Landkreis Harburg leben 48.300 Menschen dieser Altersgruppe. Immer mehr von ihnen seien gezwungen, dauerhaft zur Miete zu wohnen. Dabei gehörten gerade Jobstarter und Familiengründer zur typischen Klientel für Wohnungskauf und Hausbau, sagt Günther. Die Nestbauer-Generation sei längst zur Verlierer-Generation beim Wohneigentum geworden.
+++ Melde dich jetzt für unseren WhatsApp-Newsticker an und erhalte die wichtigsten Nachrichten direkt auf dein Handy! – Hier klicken und abonnieren +++
Eigenheimzulage und Baukindergeld abgeschafft
Der Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel kritisiert die fehlende staatliche Unterstützung. Der Bund habe zuletzt die Eigenheimzulage und dann das Baukindergeld abgeschafft und damit die effektive Förderung von Wohneigentum faktisch eingestellt, sagt Katharina Metzger, Präsidentin des Verbandes. Sie fordert die Bundesregierung auf, schnell ein Programm für Wohneigentum in die Wege zu leiten. Notwendig seien direkte Zuschüsse, sagt Metzger. Geld vom Bund also, das auch Durchschnittsverdiener im Kreis Harburg in die Lage versetze, endlich eine Chance auf die eigenen vier Wände zu haben: Ein Startkapital für das erste selbstgenutzte Wohneigentum.
Außerdem brauche es ein Niedrigzinsprogramm. Wer Wohneigentum anschaffen wolle, müsse dies auch mit nur wenig Eigenkapital schaffen können. Das bedeute aber auch, den Gürtel enger zu schnallen, sagt Metzger. Von Urlaubsreisen bis zum Autokauf müsse man über viele Jahre erhebliche Abstriche machen. Dafür lebe man dann aber auch für Jahrzehnte in den eigenen vier Wänden und zahle keine Miete mehr. Die Förderung dürfe kein kompliziertes Bürokratiemonster werden, sagt Hannes Zapf, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau. Das Startkapital des Staates müsse genauso wie zinsgünstiges Baugeld schnell und einfach bereitgestellt werden.
Zapf fordert außerdem, der Bund müsse seine Unterstützung für Wohneigentum langfristig garantieren. Es müsse eine Marathon- und dürfe keine Sprint-Förderung geben, sagt er. Wer sich heute entscheide, Geld für ein Haus oder eine Eigentumswohnung zu sparen, müsse sich auch in drei, fünf oder sieben Jahren noch darauf verlassen können, dass die Förderung als feste Zusage des Staates stehe.
An die Bundestagsabgeordneten von CDU und SPD aus Niedersachsen appelliert Metzger, Wort zu halten. Im Koalitionsvertrag stehe klipp und klar, dass Wohneigentum gefördert werden solle, sagt sie. Passiere nichts, gehe die Hängepartie weiter. Alle warteten auf Unterstützung vom Bund. Solange die nicht komme, liege der Traum von den eigenen vier Wänden weiterhin auf Eis.
Das Wohneigentum sei auch fürs Alter wichtig, sagt Zapf. Als bewohnbare Rente, als ein Stück Rente in Stein nämlich. Das beste Beispiel dafür seien die Baby-Boomer, sagt Günther. Diese geburtenstarken Jahrgänge gingen jetzt nach und nach in Rente und hätten damit deutlich weniger Geld im Portemonnaie. Die Miete bleibe aber oder steige sogar. Die Folge: Immer mehr Neu-Rentner könnten sich ihre bisherige Wohnung nicht mehr leisten. Sie wohnten sich arm, sagt Günther. Die Wohnarmut im Alter sei vor allem eine Mieterarmut. Wer Wohneigentum habe, komme finanziell im Alter deutlich besser über die Runden. (dh)


















