Seevetal/Meckelfeld. Eine Neue Mitte 2.0 – die planen Aldi, REWE, Penny und Rossmann in Meckelfeld. Das Vorhaben ist nicht neu. Bereits seit 2018 brodelt die Gerüchteküche. Damals kaufte Aldi die alte Autohausfläche Köhnke an der Glüsinger Straße. Passiert ist seitdem für die Öffentlichkeit nichts. Doch im Hintergrund wurde eifrig geplant.
Auf der vergangenen Ortsratssitzung in Meckelfeld stellten Jannik Bräuer (REWE & Penny), Jan Dieter Mohr (Aldi) und Benedikt Fleige (Rossmann) ihren Plan vor. Das alte REWE Gebäude, der Penny Markt, REWE Getränkemarkt inklusive Restaurant im 1. Obergeschoss, weitere Nebengebäude und das ehemalige Autohaus Köhnke sollen abgerissen werden.
Auf der Fläche soll ein neues Zentrum entstehen: Ein REWE Markt mit so genanntem „grünem Design” und 30 Quadratmeter mehr Verkaufsfläche, ein neuer Aldi Markt (plus 400 Quadratmeter), ein neuer Penny Markt (plus 220 Quadratmeter) sollen gebaut werden. Ergänzt wird das Trio durch eine neue Rossmann Filiale mit rund 720 Quadratmeter Verkaufsfläche. 274 Parkplätze sollen dann für die vier neuen Märkte eingerichtet werden. Zum Vergleich: Der Edeka Markt und jetztige Aldi Markt teilen sich rund 200 Parkplätze.
Die Anbindung zur Neuen Mitte 2.0 soll den ersten Ideen nach über eine Bügelstraße von der Glüsinger Straße abgehend erfolgen. Hier planen Aldi, REWE, Penny und Rossmann sogar eine mögliche dritte Zufahrt. Die „kleine” Glüsinger Straße parallel zur „großen” wird nach den Plänen nicht mehr als Durchgangsstraße zum Gewerbegebiet nutzbar sein.

Aber was passiert mit der ursprünglichen Neuen Mitte, in der neben dem bestehenden Aldi Markt auch ein Edeka Markt, eine Budni Filiale, ein Hörakustiker, eine KiK Filiale sowie eine Apotheke und diverse Arztpraxen beheimatet sind? Das soll ein Gutachten der Gemeinde klären, das ebenfalls auf der Ortsratssitzung präsentiert wurde.
Gutachten macht Veränderung deutlich
Rein rechtlich wäre der Bau der Neuen Mitte 2.0 demnach machbar. Das Gutachten zeigt aber auch deutlich, was die Veränderung und Erweiterung der Neuen Mitte für die anderen Gewerbetreibenden bedeuten kann: Allein für den Edeka Markt rechnet man mit einem Umsatzverlust von bis zu 17,5 Prozent.
Das nahe gelegene Spielzeuggeschäft von Familie Toll sieht sogar seine Existenz betroffen und spielt damit auf das Sortiment des neuen Rossmann an. Dieses enthält neben Spielwaren auch Schulbedarf. Eine wichtige Existenzgrundlage für das Meckelfelder Traditionsgeschäft in der Straße Am Felde.
Sorge um Leerstand
Auch die Sorge um Leerstand prägte das Bild auf der Ortsratssitzung. Was passiert, wenn die Fläche von Aldi nicht schnell wieder vermietet wird? Und was wird, wenn für Budni die Konkurrenz durch Rossmann zu groß wird und auch das Hamburger Unternehmen die Segel in Meckelfeld streicht? Für Budni sieht das Gutachten nämlich noch schwärzere Umsatzzahlen voraus, als für Edeka: Mit bis zu 35 Prozent Einbußen rechnet man hier.
Auch die Verkehrsführung über die Glüsinger Straße sehen einige Politiker im Ortsrat kritisch. Im Gutachten wurde eine Verkehrszählung durchgeführt: 24 Stunden wurde hierfür an 13 Standorten rund um die Neue Mitte der Fahrzeugverkehr gezählt. Ergebnis des Gutachtens: Die Glüsinger Straße hält einem erhöhten Verkaufsaufkommen durch vier neue Handelsriesen durchaus stand. Regelmäßige Staus sieht man dort nicht.
Meckelfelder Gewerbeverein nimmt Stellung
Der Meckelfelder Gewerbeverein sieht diese Punkte kritisch. Dennis Hamann, 1. Vorsitzender des Vereins, bezog auf der Ortsratssitzung Stellung zu den Plänen. „Grundsätzlich stehen wir einer Weiterentwicklung der Neuen Mitte positiv gegenüber”, sagt Hamann. „Wir haben aber Bedenken im Bezug des Verkehrs und eines möglichen Leerstandes. Auch eine eventuelle starke Schwächung oder sogar die Aufgabe von Traditionsunternehmen in Meckelfeld finden wir sehr bedenklich”, so Hamann weiter.
Das Ende von Spielwaren Toll und Edeka?
Damit trifft er den Nerv des örtlichen Edeka Händlers Sascha Dalinger. „Wenn die Umsatzverluste so hoch sein werden, müssen wir darüber nachdenken, unseren Markt im Jahr 2029 zu schließen”, sagt Dalinger im Gespräch mit seevetal-aktuell.de. Das wären dann 3.000 Quadratmeter Ladenfläche, die einen neuen Mieter suchen würden. Bruno Toll sieht für sein Unternehmen dann auch keine Zukunft mehr. „Die Konkurrenz durch Rossmann wäre einfach zu groß”, sagt Toll.
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Fest steht: Es ist noch nichts entschieden. Bei der Präsentation der Supermarkt- und Drogerie-Giganten ist noch nichts in Stein gemeißelt. „Es handelt sich um erste Ideen”, erklärt das Trio auf der Ortsratssitzung. Politisch geht die Neue Mitte 2.0 jetzt in die nächste Runde. Im Fachausschuss für Planung, Umwelt- und Klimaschutz am Mittwoch, 18. Februar im Sitzungssaal I im Rathaus wird das Projekt ab 17 Uhr erneut öffentlich vorgestellt. (tj)























