Bundesverdienstkreuz für Anette Kosakowski aus Seevetal

Anette Kosakowski erhielt das Verdienstkreuzes am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Foto: ein
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Seevetal. Eine bewegende Ehrung im Landgasthof Zur Eiche in Ollsen: Landrat Rainer Rempe hat Anette Kosakowski aus Seevetal am Dienstag, 18. November, das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen. Die Auszeichnung würdigt ihren jahrzehntelangen Einsatz für krebskranke Kinder. Seit Gründung des Vereins Hilfe für krebskranke Kinder Seevetal im Jahr 1997 hat die 30-köpfige Organisation unter ihrer Leitung die unglaubliche Summe von über 2,4 Millionen Euro an Spendengeldern gesammelt.

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Rempe überreichte die hohe Auszeichnung im Auftrag von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Die Spenden unterstützen krebskranke Kinder und ihre Familien finanziell, ermöglichen therapeutische Angebote und tragen zur besseren Versorgung bei. Allein im vergangenen Jahr kamen 140.000 Euro zusammen, die Anfang Februar 2025 an die Fördergemeinschaft Kinderkrebs-Zentrum Hamburg übergeben wurden. 

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Die gebürtige Borstelerin wuchs mit ihrem Bruder Wolfgang auf. Ihre Eltern betrieben eine Tankstelle in Borstel, wo regelmäßig das halbe Dorf vorbeikam. 1968 zog die Familie nach Maschen. An der dortigen Tankstelle lernte sie Familie Raun kennen, acht Kinder, alle in einen VW-Bus gestapelt. Einer der Söhne, Malte Raun, erkrankte unheilbar an Leukämie. Als er 1976 starb, löste sein Tod eine Welle des Mitgefühls aus.

Eltern von Maltes Mitschülern an der Grundschule in Horst veranstalteten daraufhin spontan einen Weihnachtsbasar. „Erbsensuppe, Bratwurst und ein paar gestrickte Pullover”, beschreibt Kosakowski die Anfänge. Der Erlös ging bereits 1976 an die Fördergemeinschaft Kinderkrebs-Zentrum Hamburg. Aus der einmaligen Aktion wurde eine Tradition. War es bei der Premiere noch Kosakowskis Mutter, die einen Topf Erbsensuppe beisteuerte, übernahm sie selbst Mitte der 1990er Jahre die Organisation.

Von vier Jahren zu drei Jahrzehnten

Ihr Kind wurde an der Horster Grundschule eingeschult. Andere Eltern fragten: „Mensch Anette, willst Du das nicht die nächsten vier Jahre machen?” Sie sagte ja. Daraus sind inzwischen 30 Jahre geworden. Sie scherzt gern, dass sie offenbar nicht gut rechnen könne.

Der Weihnachtsbasar kurz vor dem ersten Advent hat sich zu einem Publikumsmagneten entwickelt. Allein für den Aufbau benötigt Kosakowski zwei Schichten mit je rund 150 Helferinnen und Helfern. Viele sind wie sie selbst seit 30 Jahren dabei. Die Fäden laufen bei ihr zusammen. In den Wochen vor dem Basar wird ihre Wohnung zur Lagerstätte für Preise und Dekoration, zur Telefon- und Planungszentrale. Ihre ganze Familie packt mit an: Ehemann Rolf, die vier Kinder, Schwiegerkinder und teilweise auch schon die Enkel. Am ersten Advent hat sich niemand etwas anderes vorzunehmen.

1997 gründete Kosakowski gemeinsam mit weiteren Mitstreiterinnen und Mitstreitern den Verein Hilfe für krebskranke Kinder Seevetal. Neben dem Weihnachtsbasar organisiert der Verein zwei weitere große Veranstaltungen: ein Benefiz-Golfturnier beim Hamburger Land- und Golfclub in Hittfeld und die jährliche große Spendengala im Privathotel Lindtner in Hamburg.

Prominente Unterstützung für den guten Zweck

Bei der Gala gelingt es Kosakowski durch ihr großes Netzwerk und die guten Kontakte ihres Mannes in die Musikszene immer wieder, namhafte Künstlerinnen und Künstler auf die Bühne zu holen. In diesem Jahr trat Sänger Michael Schulte auf, seevetal-aktuell.de berichtete. In der Vergangenheit waren bereits Revolverheld, Roberto Blanco, Orange Blue, Jürgen Drews, Chris Roberts und Bernhard Brink dabei. Auch Ehemann Rolf Kosakowski und die Showband Valendras gehören zum regelmäßigen Repertoire. Prominente Gäste wie Bettina Wulff, Claudia Effenberg oder Ulla Kock am Brink unterstützten den guten Zweck bereits. Durch das Programm führte in diesem Jahr Patrick Linke, die Stimme von Let’s Dance.

Was nach Glitzer und Glamour klingt, bedeutet für Kosakowski eine Menge Arbeit. Sie muss den Abend bis ins letzte Detail vorbereiten, Sponsoren finden, die Werbetrommel rühren und Karten verkaufen. Während der Corona-Pandemie fielen die Veranstaltungen aus. Doch den Kopf in den Sand zu stecken, war für sie keine Option. Mit Kampfeswille, Energie und guten Ideen gelang es ihr, die Spendensumme 2020 nicht nur konstant zu halten, sondern erneut zu steigern.

Der Verein für krebskranke Kinder Seevetal gehört inzwischen zu den wichtigsten Unterstützern der Fördergemeinschaft Kinderkrebs-Zentrum Hamburg. Die Spenden fließen in Kunst‑, Musik- und Sporttherapie für die kleinen Patientinnen und Patienten, in die Ausweitung der palliativen Versorgung und in Beratungsangebote für betroffene Familien. Ein Sozialfonds hilft, wenn die Berufstätigkeit eingeschränkt werden muss oder benötigte Hilfsmittel nicht von Sozialkassen übernommen werden.

Digitale Teilhabe und medizinische Betreuung

Gefördert wird auch das digitale Schulprojekt Karlsson, das krebskranken Kindern die Teilnahme am Schulunterricht mittels Avataren ermöglicht. Die Personalkosten für eine Brückenärztin, eine Kinderärztin und Palliativmedizinerin, wurden bereits durch Spendenerlöse übernommen. Sie begleitet den Übergang in die häusliche Palliativversorgung und betreut Familien vor Ort. Ebenfalls finanziert werden konnten eine Doktorandenstelle, Jahresstellen eines Hirntumorspezialisten und eines Psychologen sowie ein Nachsorgeprojekt für Kinder nach einer Hirntumorerkrankung.

Als der offizielle Brief aus Hannover ins Haus flatterte, bescherte er Kosakowski zunächst einen Moment des Unbehagens. Nach der ersten Befürchtung, es könne sich um ein saftiges Bußgeld handeln, war ihr die Ehrung fast ein bisschen peinlich, sagt sie. Landrat Rempe versicherte ihr in seiner Laudatio: Niemand zweifle daran, dass sie diese Auszeichnung absolut verdient habe. (tj)

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