Fast jeden Tag ein Femizid in Deutschland

Das Netzwerk gegen häusliche Gewalt im Landkreis Harburg lädt am 25. November zur Mahnwache vor dem Rathaus in Winsen ein. Foto: Landkreis Harburg
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Seevetal/Winsen (Luhe). Fast jeden Tag stirbt in Deutschland eine Frau durch die Hand ihres Partners oder Ex-Partners. 360 Frauen wurden allein im Jahr 2023 getötet. Das Netzwerk gegen häusliche Gewalt im Landkreis Harburg lädt zum Gedenken an diese Opfer zu einer Mahnwache ein. Sie findet am Dienstag, 25. November, ab 17 Uhr vor dem Winsener Rathaus statt.

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„Noch immer wird Gewalt gegen Frauen verharmlost”, sagt Andrea Schrag, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Harburg. Dabei gehörten die Tötungen durch den Partner oder Ex-Partner weltweit zu den häufigsten unnatürlichen Todesursachen bei Frauen. Die Mahnwache bildet den Auftakt der 16-Tage-Kampagne gegen Gewalt an Frauen. Das Motto lautet: „Getötet, weil sie Frauen sind”. Bereits den ganzen Tag über sind Mitglieder des Netzwerks in der Innenstadt präsent und ansprechbar. Bei einer Brötchentütenaktion gibt es eine kleine Überraschung und Informationen. 

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Ein Lichtermeer wird in der Innenstadt aufgestellt. „Wir wollen ein sichtbares Zeichen gegen Gewalt an Frauen und für das Recht auf Leben in Sicherheit und Würde setzen”, betont Dörthe Hein, Mitarbeiterin der Beratungsstelle BISS. Die Installation soll zum Innehalten einladen und der Opfer gedenken. Die Mahnwache bietet Raum für Trauer, aber auch für Solidarität. Redebeiträge beleuchten das Thema aus unterschiedlichen Perspektiven. Es sprechen Rudolf Meyer (Kreistagsvorsitzender), Thomas Meyn (Leiter der Polizeiinspektion Harburg) und Andrea Schrag.

Die bundesweiten Zahlen sind erschreckend: Das Bundeskriminalamt dokumentierte für 2023, dass 938 Frauen Opfer von versuchtem oder vollendetem Mord oder Totschlag wurden. Alle vier Minuten erlebt eine Frau in Deutschland Gewalt durch den Partner oder Ex-Partner. Insgesamt kamen im vergangenen Jahr 171.100 Fälle von Partnerschaftsgewalt zur Anzeige, ein Plus von 1,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Hilfe im Landkreis Harburg

„Die Misshandlungen geschehen nicht aufgrund eines einmaligen Kontrollverlustes, sondern dienen dazu, Macht und Kontrolle über das Opfer auszuüben”, sagt Carsten Bünger von der Polizeiinspektion. Gewalt sind dabei nicht nur Schläge. Auch Bedrohungen, Beschimpfungen und Kontrolle sind Formen von Gewalt. Sie kann Menschen aller sozialen Schichten und jeden Alters treffen.

Beratungsstellen bieten Unterstützung

Im Landkreis Harburg stellt die Polizei bei häuslicher Gewalt den Kontakt zur Beratungsstelle BISS her. Diese hatte 2024 zu 557 Frauen Kontakt. Dort findet eine Erstberatung statt. Für umfassende Unterstützung gibt es seit November 2019 eine Beratungsstelle für alle Mädchen und Frauen, unabhängig vom Zeitpunkt und der Art der erlebten Gewalt. 155 Fälle verzeichnete die Einrichtung im vergangenen Jahr. Zuflucht im Frauenhaus fanden 24 Frauen mit 32 Kindern.

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Hilfe finden Betroffene bei der Beratungsstelle BISS unter Rufnummer 04181–2197921, beim Frauenhaus unter Rufnummer 04181–217151, beim bundesweiten Hilfetelefon bei Gewalt gegen Frauen unter Rufnummer 116016, bei der Beratungsstelle für gewaltbetroffene Mädchen und Frauen unter Rufnummer 04171–6008850 sowie beim Jugendamt des Landkreises unter Rufnummer 04171–693480. Die Krankenhäuser Buchholz und Winsen sind Netzwerkpartner im Projekt ProBeweis der Medizinischen Hochschule Hannover. Dort können Opfer ohne Termin in die Notaufnahme kommen und Verletzungen dokumentieren sowie Spuren sichern lassen, auch wenn sie noch keine Anzeige erstatten wollen. Im akuten Fall ist die Polizei unter der Notrufnummer 110 erreichbar.

Die 16-Tage-Kampagne bietet bis zum Tag der Menschenrechte am 10. Dezember ein Veranstaltungsprogramm. Unter dem Motto „Frauenrechte sind Menschenrechte” bieten Institutionen, Vereine und Einrichtungen Workshops, Vorträge und Veranstaltungen an. Informationen zu allen Veranstaltungen gibt es unter www.landkreis-harburg.de/16-tage-kampagne sowie unter www.gghglkh.de/aktuelles/. (tj)

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