
Seevetal/Maschen. Rund 20 Meter hoch, 180 Meter lang und 90 Meter breit – so stellt sich Projektentwickler Revitalis Development GmbH den Neubau eines Rechenzentrums in Maschen vor. Das Grundstück südlich der Winsener Straße (K10) zwischen der Autobahn 39 und der Winsener Straße ist bereits seit Jahren im Besitz des Entwicklers. Jetzt stellte sich das Unternehmen zum ersten Mal Fragen der Öffentlichkeit.
Etwa 150 Menschen sind am Mittwochabend ins Dörphus Hörsten gekommen. Eine offizielle Einladung des Unternehmens zu dem Termin gab es im Vorfeld nicht. „Wir dachten, die Gemeinde übernimmt das für uns”, sagt Projektleiter Thies May gegenüber seevetal-aktuell.de.
Kurze Nachfrage in der Gemeinde: „Es ist nicht unsere Aufgabe, Einladungen zu Info-Veranstaltungen von Unternehmen zu versenden”, sagt Bürgermeisterin Emily Weede (CDU) auf Nachfrage. seevetal-aktuell.de recherchierte im Vorfelde eigenständig den Termin des Info-Abends – siehe hier. Auf Nachfragen reagierte das Unternehmen erst nach damaliger Veröffentlichung.
Zurück zur Bürgerveranstaltung: Revitalis – angereist mit insgesamt fünf Vertretern plus Geschäftsführer Marc Wirtz – präsentierte ihre Planung. Diese stünden noch komplett am Anfang der Phase. Es gäbe aber bereits Gespräche mit potentiellen späteren Betreibern. Das könnten neben Amazon und Meta auch deutsche Betreiber oder andere sein.
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Der Politik stellte das Unternehmen bereits vor einigen Monaten seine Pläne vor. Auf einer Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Planung gab der Projektleiter seine Ideen bereits bekannt. Dort wurde auch noch von einem rund 28 Meter hohen Bau gesprochen. Diese Zahl wurde jetzt auf dem Bürgerabend nach unten korrigiert.
Revitalis wirbt mit „perfekten Voraussetzungen“
Der Standort sei perfekt, so die Aussagen des Projektleiters. Direkt an der Autobahn würde das nötige Stromkabel verlegt werden können. Denn so ein Rechenzentrum braucht vor allem eines: Jede Menge Strom. „Die Voraussetzungen sind an diesem Standort ideal”, so May.

Ganz und gar nicht ideal fanden das die meisten Teilnehmer des Info-Abends. In einem Abstand von knapp 100 Metern des potentiellen Neubaus des Rechenzentrums beginnt das Maschener Dorf. „Wir gehen von einem permanenten Rauschen aus dem laufenden Betrieb als Geräuschquelle aus. Vor allem in der Nacht würde sich das bemerkbar machen”, erklärt das Unternehmen. Während direkt vom Rechenzentrum etwa 87 Dezibel ausgehen würden, kämen an den Wohnhäusern dann rund 40 Dezibel an. „Das sind aber alles nur Schätzungen”, erklärt Revitalis.
Bürger fürchten Lärm und Eingriff ins Ortsbild
Revitalis erklärte die Vorteile eines Rechenzentrums: Neben – vom Unternehmen geschätzten rund 60 Mitarbeitern sowie Einnahmen aus der Gewerbesteuer – sei das vor allem der Punkt der Fernwärme. Die Abwärme aus dem Rechenzentrum könne für die Wärmeversorgung in der direkten Nachbarschaft des Rechenzentrums genutzt werden. Dieser Vorschlag fand bei den Besuchern des Info-Abend keinen Zuspruch.
Nach einem zweiten Grundstück – genau gegenüber und hinter der Aral Tankstelle – das sich auch im Besitz der Revitalis befindet, wurde ebenfalls gefragt. „Dieses Grundstück steht derzeit nicht zur Diskussion und beinhaltet nicht unsere aktuelle Planung”, erklärt Geschäftsführer Wirtz.
Politik muss Bebauungsplan beschließen
Entscheidend für den Bau eines Rechenzentrums ist jetzt vor allem die Seevetaler Politik. Diese war zum Info-Abend mit allen Fraktionen gekommen. Für das Grundstück, auf dem das Rechenzentrum entstehen könnte, ist derzeit nur ein Flächennutzungsplan vorhanden.
Dieser besagt zwar, dass das Grundstück für Gewerbe nutzbar ist, bringt dem Investor allerdings noch nichts. Hierfür muss ein Bebauungsplan (B‑Plan) entworfen werden. Dieser wird erst in einzelnen Ausschüssen der Seevetaler Politik und schlussendlich im Seevetaler Gemeinderat beschlossen.

Befürworter für den Bau eines Rechenzentrum der Revitalis Development GmbH fanden sich keine. Sorge um Lärm und den Eingriff in die Natur sowie in das Ortsbild von Maschen waren einhellig. „Wir wollen keine solchen Gebäude direkt an unserem Dorfkern”, fasst eine Bürgerin die Meinung des Abends zusammen. „So etwas gehört in ein Industriegebiet!”
Neuer Termin im November geplant
Die Revitalis Development GmbH will nun im November zu einem weiteren Info-Abend laden. Dieses Mal dann auch rechtzeitig angekündigt über die eigene Firma. Bis dahin werden sich Politiker und Bürger zusammen beraten. Ein erster Austausch von Kontakten unter den Anwohnern fand bereits statt. (tj)

















